Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Karl Eicher feiert 100. Geburtstag

Ein Leben zwischen Bayern, Kanada und Hohenlohe:

Zwei Männer stehen in einem Veranstaltungssaal und geben sich die Hand. Links der 100-jährige Karl Eicher in dunkler Trachtenjacke und blau-weiß gemusterter Krawatte, rechts Ortsvorsteher Frank Egner in hellblauem Sakko. Im Hintergrund sitzen zahlreiche Gäste der Geburtstagsfeier.
Karl Eicher (links) nimmt zu seinem 100. Geburtstag die Glückwünsche von Kocherstettens Ortsvorsteher Frank Egner entgegen. Egner überreichte dem Jubilar auch die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg sowie die Glückwünsche der Stadt Künzelsau. Foto: Rainer Lang, Stadtverwaltung Künzelsau.

Es ist eine der ersten vom neuen grünen Ministerpräsidenten Cem Özdemir unterzeichneten Urkunden gewesen, die Frank Egner dem Jubilar Karl Eicher zum 100. Geburtstag überreicht hat. Der Ortsvorsteher von Kocherstetten überbrachte dem ersten männlichen Bewohner der Seniorenresidenz Schloss Stetten, der dieses gesegnete Alter erreicht hat, auch im Namen von Bürgermeister Stefan Neumann die Glückwünsche der Stadtverwaltung Künzelsau. Bei einer vom Shanty-Chor und vom Chor der Seniorenresidenz musikalisch umrahmten Feierstunde würdigte Baron Wolfgang von Stetten Eicher als „Vorbild für alle Bewohnerinnen und Bewohner“.

Eichers Sohn Hartmut erinnerte nicht nur daran, dass sein Vater derselbe Jahrgang ist wie die englische Königin Elisabeth II., sondern dass der aus Kelheim an der Donau stammende Protestant sich auch als Kirchenvorstand sowie als Mitglied im Dekanatsverband engagiert hat. Außerdem war er in der Industrie- und Handelskammer, dem Verwaltungsrat der Sparkasse, als ehrenamtlicher Richter aktiv und leidenschaftlicher Jäger. Für seine Verdienste erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Bürgermedaille der Stadt Kehlheim.

Zwei ältere Herren stehen nebeneinander und lachen in die Kamera. Links Wolfgang Freiherr von Stetten in dunkler Jacke und Krawatte, rechts der Jubilar Karl Eicher in einem hellgrauen Anzug mit Weste. Im Hintergrund verlassen Gäste die Feier im Saal der Seniorenresidenz Schloss Stetten.
Große Freude beim Jubiläum: Karl Eicher (links) und Wolfgang Freiherr von Stetten nach der Feierstunde zum 100. Geburtstag des Bewohners der Seniorenresidenz Schloss Stetten. Foto: Rainer Lang, Stadtverwaltung Künzelsau.

Als „außergewöhnlich“ bezeichnete Hartmut Eicher das Leben seines am 11. Juni 1926 geborenen Vaters. „Ich habe viel Glück gehabt“, räumt der Jubilar ein, der fast 75 Jahre mit seiner Frau Hannelore verheiratet ist, auf deren Betreiben das Paar 2016 von Kelheim nach Hohenlohe kam. Nach dem Abitur 1944 wurde Eicher eingezogen, kam an der Westfront zum Einsatz und geriet in englische Gefangenschaft. Nach dem Krieg gründete er mit seinem Vater und seinen Geschwistern die Spedition Eicher & Söhne. Seine Frau Hannelore lernte er beim Tanzen kennen. Die beiden heirateten 1951. Das Paar hat zwei Töchter und zwei Söhne.

Nach dem Verkauf der Firma 1985 erwarb Eicher nicht nur Immobilien in Kanada, sondern lebte dort bis 2001, bevor er mit seiner Frau nach Kelheim zurückkehrte. Inzwischen schmeißt er den Haushalt. Früher war das anders. „Die Kinder hat meine Frau alleine erzogen, weil ich zwölf Stunden gearbeitet habe“, sagt Eicher, der sich mit regelmäßigem Schwimmen fit hält und mit 100 geistig und körperlich erstaunlich rege ist. Da Eicher inzwischen mit dem Auto zum Gottesdienst kommt, sorgte Pfarrer Wilfried Härpfer für einen humorvollen Abschluss mit seinem zweideutigen Bonmot, dass „Eicher mit 100 zur Schlosskapelle fährt“. Und mit ihrem Auftritt als Bavaria erinnerte Renate Wagner daran, dass sich Eicher immer als „Urbayer“ gefühlt hat.