Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Theater im Fluss spielt im Kocherfreibad

Künzelsauer Amateurtheaterverein inszeniert Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" - Premiere ist am 30. Juni geplant

Zeichnung der Theaterfiguren in Kostümen auf der Bühne.
Auch wenn die Bühne im Kocherfreibad in diesem Jahr ohne Kulissen auskommen wird. Trist kommt die Inszenierung deshalb nicht daher. Für die Figuren auf der Bühne hat Nina Weitzner, Ausstatterin des Theatervereins, fantasievoll bunter Kostüme entworfen. Foto privat.

Ganz im Stillen bereitet sich das Theater im Fluss seit Monaten auf die Spielsaison 2021 vor. Nach langer Unsicherheit, ob überhaupt gespielt werden kann, wächst jetzt mit steigenden Impfquoten und sinkenden Inzidenzzahlen, die Hoffnung, dass am 30. Juni die Premiere von Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" tatsächlich wie geplant über die Bühne gehen wird. "Unser Ensemble ist zusammen mit den Profis für Regie, Ausstattung und Musik schon lange zwischen Hoffen und Bangen, aber stets voller Enthusiasmus an der Arbeit", sagt Heiner Sefranek, der Vorsitzende des Vereins Theater im Fluss.

Auch wenn das Stück in der angeblich guten alten Kaiserzeit spielt, die Geschichte um den kleinkriminellen Schuster Wilhelm Voigt, der in einer alten Hauptmannsuniform mit einem Trupp Soldaten das Rathaus von Köpenick besetzt, um sich dort einen Pass zu besorgen, den ihm die preußische Bürokratie verwehrt, den er aber als Passierschein zurück in eine bürgerliche Existenz so dringend braucht, wird im Künzelsauer Freibad am Kocher mehr als ein Historienspiel, das auf einer wahren Begebenheit fußt. Das Publikum erwartet zwar eine schlichte Bühne ohne große Kulissen, aber alles andere als eine triste Inszenierung.

"Für mich ist 'Der Hauptmann von Köpenick' eine Eulenspiegelei. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Ganove, der zum Hochstapler wird, weil er nicht vor und zurück kann und dabei fast zufällig eine opportunistische Gesellschaft bloßstellt", erklärt Nina Weitzner ihren Zugang zu Zuckmayers "deutschem Märchen" vom falschen Hauptmann. In einer obrigkeitshörigen und auf den eigenen Vorteil bedachten Gesellschaft, für die gesellschaftlicher Rang und Name, Status und Uniform und damit Äußerlichkeiten mehr zählen als der Mensch, gleiche er einem tragischen Helden, da er in der Gesellschaft keine Chance und keinen Platz habe.

Zuckmayers Stück hat für sie deshalb "fast etwas von einem Lehrstück von Brecht". Die Stationen im Leben des Wilhelm Voigt wie auch im Werden und Vergehen der Uniform reihen sich wie Bilder einer Moritat hintereinander - allerdings ohne historische Bezüge und Lokalkolorit. Denn "die Handlung kann sich überall abspielen, nicht nur im Berlin des Jahres 1906. "Opportunismus und Konformismus, die nur zwei Jahre nach der Uraufführung von Zuckmayers Stück den Nationalsozialismus möglich gemacht haben, sind zeitlos," so Weitzner. Zugleich soll die nackte Bühne nicht nur "den Blick frei machen auf die Hauptperson Voigt und auf das, was ihn antreibt", sondern auch jeder Illusion entgegenwirken.

Fürs Sommertheater in Künzelsau verbindet Weitzner in Zusammenarbeit mit Regisseur Franz Bäck diesen Lehrstückcharakter mit dem Charme einer Revue voller Musik, Tanz, Slapstick und Sprachwitz. Wie in einem Lehrstück sind die Figuren auf der Bühne Typen, die von ihrer Funktion in der Geschichte bestimmt sind. Sie sind frei von Handlungsalternativen und jeder Psychologisierung. Die Kostüme, die Weitzner für die mehr als 80 Rollen des Stücks gestaltet hat, sind keinem realen oder historischen Vorbild verpflichtet. In ihrer fantasievollen Farbigkeit bilden sie einerseits den gesellschaftlichen Status der typisierten Bühnenfiguren ab und wirken zugleich wie im Brecht'schen Theater überraschend und verfremdend.  Das Stück soll bunt und unterhaltend sein, zugleich aber auch überraschen und irritieren. "Es sollen starke Bilder entstehen", so Weitzner, "die im Zuschauer auch Ideen - und die Vorstellung von Handlungsalternativen - wecken, wie diese so konformistische wie opportunistische Gesellschaft anders und menschlicher funktionieren könnte. 

Termine und Karten

Aufgrund der Pandemie hat das Theater im Fluss in diesem Jahr die Premiere im Künzelsauer Freibad am Kocher  um drei Wochen auf Mittwoch, 30. Juni, um 19.30 Uhr verschoben. Die Spielsaison 2021 ist kürzer als gewohnt. Sie umfasst insgesamt 12 Vorstellungen und endet am Samstag, 24. Juli. Weitere Termine, jeweils um 19.30 Uhr, sind am 2., 3., 7., 9., 10., 15., 16., 17., 21. und  23. Juli.  Karten im Vorverkauf zu 18 Euro, ermäßigt 13 Euro (Schüler, Studierende, Schwerbehinderte), sind bei allen reservix-Verkaufsstellen, insbesondere Tabak-Brückbauer in Künzelsau und in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung sowie online über die Homepage des Theatervereins www.theater-im-fluss.com erhältlich, sowie für 20 Euro, ermäßigt 15 Euro an der Abendkasse. Verpflichtend erforderlich für den Einlass sind der Nachweis eines tagesaktuellen  negativen Schnelltestergebnisses bzw. einer mindestens 14 Tage zurückliegenden vollständigen Corona-Impfung oder des Nachweises einer überstandenen Sars-CoV-2-Infektion, die höchstens sechs Monate zurückliegt.  Darüber hinaus gelten die bekannten AHA-Hygienevorschriften.