Ehrenbürger
Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth – Ehrenbürger seit 2003
Seit dem dritten Lebensjahr verbrachte ich die meiste Zeit meines Lebens in Künzelsau und der nahen Umgebung. Hier wurde ich konfirmiert, ausgebildet, startete ins Berufsleben, heiratete und gründetet meine Familie. Meine Eltern waren „Neigschmeckte“. Aus Ilsfeld, Kreis Heilbronn, mein Vater, aus Uetersen, Schleswig-Holstein, meine Mutter.
Bei meiner Einschulung 1941 war hinter dem Schulhaus das Reichsarbeitsdienstlager. Wir Kinder spielten vor der Festhalle Völkerball. Künzelsau war ein Landstädtchen mit 3.500 Einwohnern. Doch schon damals wurde mit der kriegsbedingten Verlagerung der Betriebe Ziehl-Abegg aus Berlin und der Kranfabrik Stahl aus Stuttgart, die Grundlage für den heutigen Industriestandort gelegt. Bald darauf der ersehnte Einmarsch der US-amerikanischen Truppen: Vorboten einer neuen Zeit.
Überschaue ich Künzelsau mit seiner mehr als vervierfachten Bevölkerung heute, stelle ich fest, wie doch alles fließt: Nur wenige Geschäfte in der Hauptstraße sind noch die gleichen wie vor 50 Jahren. Wie etwa die Buchhandlung Breuninger, das Fachgeschäft Otto Häussermann, die Bäckerei Heigold (bei Heigold Frieda kauften wir als Schulbuben unsere Brezel für 3 Pfennig). Andere aus meiner Kindheit bekannte Läden sind hingegen lange vergessen, wie die Lebensmittelgeschäfte Rieger und Schoch, der Friseur Bauer (der mir als Bub die Haare für 50 Pfennig geschert hat), das Lebensmittelgeschäft Lichdi oder die Gärtnerei Wagner.
Auch wenn ich über meine Reisen viel in der Welt bin, kehren meine Gedanken stets voller Dankbarkeit nach Künzelsau zurück. Daran ändert nichts, dass meine liebe Frau und ich seit 1974 schon über 50 Jahre in Niedernhall Wohnsitz genommen haben und uns dort ebenfalls unglaublich wohlfühlen. Durch unsere berufliche Arbeit sind wir auch heute noch eng mit Künzelsau verbunden. Dort haben wir die ersten zwei Dekaden nach unserer Heirat 1956 verlebt – die Honeymoon-Zeit bleibt einem halt besonders haften!
Daher war es mir schon mit den Eröffnungen der Hirschwirtscheuer in der Künzelsauer Ortsmitte 1989 und des Museum Würth mit dem Gewindemuseum 1991 in Künzelsau-Gaisbach ein Bedürfnis, meine Verbundenheit mit Künzelsau zu dokumentieren. Auch meine liebe Frau ist über ihr Engagement für das Hotel-Restaurant Anne-Sophie und die Bibliothek Frau Holle ins öffentliche Künzelsauer Leben eingebunden.
Geradezu in Rekordzeit hat sich das von Stararchitekt Sir David Chipperfield entworfene Carmen Würth Forum mit seinen Veranstaltungs- und Konzertsälen, dem Museum Würth 2 und dem Skulpturengarten zu einem Besuchermagnet entwickelt und Akzente in unserer schönen Raumschaft gesetzt. Seit dem Frühjahr 2025 ist der Bereich um das Carmen Würth Forum um eine Sehenswürdigkeit reicher: Anlässlich meines 90. Geburtstags entstand dort auf Initiative meiner Tochter Marion ein Arboretum als lebendiger Organismus und Spiegel für unsere Unternehmenswerte, wie Beständigkeit, Wachstum und Stärke. In den nächsten Jahren werden Bäume aus allen Ländern, in denen unser Unternehmen vertreten ist, vom Carmen Würth Forum bis zum Innovationszentrum CURIO gepflanzt. Das Arboretum lädt alle Besucherinnen und Besucher ein, mehr über die faszinierende Welt der Bäume zu erfahren.
Mit der Gründung der Würth Philharmoniker haben wir ein internationales Orchester, das als kultureller Botschafter bei Gastspielen im In- und Ausland auch weit über die Grenzen Künzelsaus wirkt.
So wünsche ich der Stadt Künzelsau weiterhin innovative Kreativität und ihren Bürgerinnen und Bürgern eine glückliche Zukunft in Frieden und Freiheit.
Carmen Würth – Ehrenbürgerin seit 2003
Der Hohenlohekreis ist etwas Besonderes. Dafür verantwortlich sind vor allem die Menschen, die hier leben, ebenso die reizvolle und wunderschöne Landschaft.
Von Anfang an erkundeten mein lieber Mann und ich zusammen die romantischen Wanderwege: zum Kupfertal, nach Friedrichsruhe, im Sommer zum Baden mit Picknick ins Jagsttal und zu den herrlichen Schlössern und Klöstern rund um Künzelsau. Schon damals konnte ich feststellen, dass Künzelsau eine Perle im Hohenloher Land ist, umgeben von herrlichen Weinbergen, weitflächiger Landschaft, hügelig in lieblicher Art. Bis heute laden die umliegenden kleinen Dörfer mit ihrer Gastlichkeit und ihren traditionsreichen Häusern zum Verweilen ein.
Künzelsau ist aber auch ein historisches Städtchen, Besucherinnen und Besucher können von hier aus ungeahnte Schätze entdecken – in der Kunst oder der Natur. Immer wieder die vier Jahreszeiten in so ausgeprägter Schönheit in dieser Region erleben zu dürfen, empfinde ich als großes Geschenk.
Besonders freut es mich natürlich, dass das Hotel-Restaurant Anne-Sophie mit dem Restaurant „Handicap“, der Auszeit, der Vinothek und dem Ladengeschäft „Lindele“ sowie das Kulturhaus Würth mit der Bibliothek Frau Holle von der Stadt Künzelsau und ihren Bürgerinnen und Bürgern so herzlich aufgenommen wurde und wir mittlerweile einen festen Platz in der Hotel- und Gastronomielandschaft sowie im Bereich Kultur und Literatur im Hohenloher Land haben. Diese Offenheit und das gelebte Miteinander sind beispielhaft und machen Künzelsau zu einem Ort, an dem Gemeinschaft und Engagement spürbar sind. Es ist so schön zu sehen, dass die Menschen das vielfältige Angebot schätzen und gerne zu uns kommen – allen voran die Kinder, die für unsere Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind.
Mein Mann und ich leben seit 50 Jahren in der ebenso schönen Stadt Niedernhall und fühlen uns dort sehr wohl. Die ersten 20 Jahre unserer inzwischen 70-jährigen Ehe verbrachten wir als Bürger von Künzelsau und haben über unsere berufliche Bindung ununterbrochen enge Kontakte und Beziehungen in und mit Künzelsau.
In guter Nachbarschaft wünsche ich, dass Künzelsau auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Menschen gerne leben, arbeiten und sich begegnen.
Albert Berner – Ehrenbürger seit 2012
Wie sind die Menschen in Hohenlohe? Diese Frage wird mir oft gestellt, wenn ich unterwegs bin. Meine Antwort lautet fast immer gleich: ehrlich, bodenständig und verlässlich. Das sind Werte, die unsere Region treffend beschreiben – mich eingeschlossen.
Schaue ich heute mit über 90 auf mein Leben, dann empfinde ich größte Dankbarkeit für das, was ich erreichen durfte. Ich bin ein „Kind“ der Aufbaugeneration. Wir haben in den schwierigen Nachkriegsjahren nicht auf fremde Hilfe gewartet. Ideen haben und schaffen. Schaffen. Schaffen. Schaffen. Das war stets meine Devise.
Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an unsere feste Überzeugung, dass sich Einsatz und Ausdauer lohnen. Das hat uns angetrieben. Egal vor welcher Herausforderung wir standen – wir haben uns nicht beklagt, sondern die Aufgabe angenommen. Mit Fleiß. Mit Mut. Mit Zuversicht. Und mit unbändigem Willen. So haben wir uns aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet. Immer bereit, noch härter anzupacken und noch mehr zu leisten, wenn die Bedingungen das erforderten.
Aus dieser Haltung heraus bin ich konsequent meinen Weg gegangen. Obwohl unser Unternehmen international gewachsen ist, war Künzelsau für mich nie nur ein Standort. Die Stadt ist mein Zuhause, mein Ankerplatz und fester Bezugspunkt. Von hier aus haben wir den Schritt in andere europäische Märkte gewagt und gleichzeitig unsere Wurzeln bewahrt. Für mich war jederzeit klar: Global erfolgreich zu sein und regional verbunden zu bleiben, schließt sich nicht aus – im Gegenteil.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass mir 2012 die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde. Ich trage diesen Titel mit Stolz, weil er ein Zeichen eben jener tiefen Verbundenheit ist. Zugleich betrachte ich ihn aber auch als Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen und der Gemeinschaft etwas von dem Guten zurückzugeben, das mir und meiner Familie zuteilwurde. Viele andere „starke Schultern“ tun das ebenfalls. Auch deshalb hat sich Künzelsau insgesamt gut entwickelt. Aus einer ländlich geprägten Region ist ein Wirtschaftsraum geworden, der weit über seine Grenzen hinaus Beachtung findet. Es ist beeindruckend zu sehen, was hier entstanden ist. Und trotzdem haben die Menschen ihre Bodenständigkeit nie verloren. Vielleicht ist genau diese Mischung aus Innovationskraft und Bescheidenheit eines der Erfolgsgeheimnisse.
Besonders schätze ich die direkte Art. Man weiß, woran man bei uns Hohenlohern ist. Ein gegebenes Wort hat Gewicht. Verlässlichkeit ist hier nicht nur eine Floskel, sondern gelebte Realität. Gerade in einer Zeit des Wandels, in der vieles dynamischer geworden ist, halte ich das für einen wichtigen Wert. Nach jeder Reise bin ich deshalb gerne wieder zu Hause. Denn je älter ich werde, desto mehr spüre ich: Heimat ist ein Gefühl der Zugehörigkeit – zu einer Region, die mir vertraut ist, und zu Menschen, bei denen ich mich nicht verstellen muss, sondern ganz ich selbst sein kann.
Ursula Berner – Ehrenbürgerin seit 2012
Als ich vor langer Zeit aus Niedersachsen nach Künzelsau kam, hätte ich nicht gedacht, dass ich mich dieser Region einmal so eng verbunden fühlen würde. Heute kann ich sagen: Die Stadt ist für mich weit mehr als unser Lebensmittelpunkt. Ich bin hier in Hohenlohe zu Hause. Deshalb trage ich gerne privat, vor allem aber auch über die Albert Berner-Stiftung dazu bei, unsere Heimat aktiv mitzugestalten.
Über die Jahre durfte ich viele Initiativen und Vereine kennenlernen. Beeindruckt haben mich dabei vor allem die Menschen hinter den Projekten. Ob haupt- oder ehrenamtlich: Immer wieder begegne ich Persönlichkeiten, die sich mit großer Leidenschaft für andere einsetzen und damit einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten.
In meiner Funktion als Ehrenvorsitzende des Stiftungsrats blicke ich mit Freude auf das bisher Erreichte. Seit der Gründung 1995 konnten wir mehr als zwei Millionen Euro für gemeinnützige Organisationen hier vor Ort bereitstellen. Von der Förderung profitieren unterschiedlichste Empfänger: Vom Hospiz St. Elisabeth oder dem Frauen- und Kinderschutzhaus über den Tafelladen bis hin zur Diakoniestation oder der Musikschule. Wenn aus unseren Maßnahmen langfristige Partnerschaften wachsen, ist das besonders schön. Sie zeigen, wie nachhaltige Unterstützung wirken kann und wie wichtig Verlässlichkeit für die tägliche Arbeit dieser Einrichtungen ist.
In Hohenlohe wird nicht nur über Zusammenhalt gesprochen – er wird gelebt. Hier ist der „Stärkere“ für den „Schwächeren“ da und man bewältigt Herausforderungen gemeinsam. Ob im Sozial- oder im Sportbereich, in der Kultur oder in der Bildung: Dadurch entstehen neue Chancen – für Kinder, Jugendliche und Familien ebenso wie für Ältere, Kranke und Pflegebedürftige. Genau darin liegt für mich der zentrale Wert unseres Engagements. Neben der konkreten Unterstützung geht es vor allem auch darum, Perspektiven zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen und das gesellschaftliche Miteinander zu festigen.
Mein persönlicher Dank gilt allen, die regelmäßig Verantwortung übernehmen und anderen helfen. Denn am Ende sind es nicht einzelne Spenden, die den Unterschied machen, sondern die Menschen, die sich mit Herzblut für ein Projekt einsetzen. Es ist schön, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir noch vieles zusammen bewegen können, damit Künzelsau auch für künftige Generationen eine lebens- und liebenswerte Heimat bleibt.
Prof. h.c. Dr. Alexander Gerst – Ehrenbürger seit 2015
Wenn ich an Künzelsau denke, dann fällt mir ein Zitat von T.S. Eliot ein: "Wir dürfen niemals aufhören, neugierig zu sein. Denn von mancher Entdeckungsreise kommt man zurück in seine Heimat, und erkennt sie zum ersten Mal wirklich." Für mich war dieser Startpunkt ein kleines gemütliches Städtchen in Hohenlohe-Franken: Künzelsau.
An diesem Ort habe ich das gelernt, was ich für meine späteren Expeditionen zu den Vulkanen dieser Welt, in die Antarktis und schließlich auf meiner Reise um unseren Planeten herum benötigt habe: Neugier. Oder, um es genauer auszudrücken, ich hatte das große Glück, dass niemand versucht hat, mir die kindliche Neugier, die in allen von uns steckt, auszutreiben. Im Gegenteil: Hier an diesem Ort konnte ich sie ausleben und entwickeln. Ich kann mich noch gut an ausgiebige Streifzüge mit meinen Freunden durch die Wälder des Kochertals erinnern, vom Glockenwäldle über die Taläcker, zu den Ruinen Zarge und Lichteneck. Ich habe nach Geheimgängen gesucht (aber nie gefunden), Nachbars Kirschen stibitzt (und bin erwischt worden), Dämme am Kocher gebaut und mit meinem besten Freund Raketen gebastelt.
In meiner Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr lernte ich, im Team zu arbeiten und einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn es mal heiß wurde. Bei der DLRG habe ich gelernt, nicht nur auf mich, sondern auch auf andere aufzupassen. Und in der Jungenschaft konnte ich mein Handwerkszeug als Entdecker „schleifen“, von dem ich selbst im Weltraum noch profitiert habe.
Meine Vorfahren waren Schmiede in drei Generationen, die Werkstatt war in der Schnurgasse. Ich kann mich noch gut an das Meisterstück meines Urgroßvaters erinnern, ein kunstvoll gefertigtes Metallschild mit der Aufschrift „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!“. Inzwischen ist mir klar: Meine Kindheit an einem Ort mit solchen Möglichkeiten war das Rohmaterial für dieses Glück, andernfalls wäre ich vermutlich nicht so weit gekommen.
Kurzum: Ich trage immer noch ein großes Stück „Künzelsau“ in mir! Doch was es gebraucht hat, um dies zu realisieren, war ein Blick auf diesen Ort von einer besonderen Perspektive aus. Nach zwei Missionen und vielen Erfahrungen auf der Internationalen Raumstation ISS bin ich nun oft wieder hier und habe tatsächlich das Gefühl, diesen Ort mit neuen Augen zu sehen. Ich habe ihm und seinen Bewohnern sehr viel zu verdanken. Vielen Dank dafür!






