Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Kochertalbahn nimmt Fahrt auf

Bevorzugte Trasse soll bis Ende 2026 feststehen – rund 300 Bürger beteiligen sich an Informationsveranstaltung

Viele Menschen schauen auf eine Tafel mit einem Plakat und einer Karte von Künzelsau und Gaisbach. Nebendran seht Bürgermeister Stefan Neumann.
Großer Andrang bei Bürgermeister Stefan Neumann und dem Informationsstand von Künzelsau und Gaisbach. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau.

Die positive Grundstimmung bei der Informationsveranstaltung zur Kochertalbahn ist für Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann die wichtigste Voraussetzung, damit die geplante Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Waldenburg und Künzelsau gelingt. „Das Projekt lässt sich nur im Miteinander realisieren und nicht gegen Widerstände“, bekräftigte er vor rund 300 interessierten in der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. Nach knapp zwei Stunden Information und Diskussion freut sich Neumann, dass das Angebot auch weiterhin wahrgenommen wird.

In der Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung bekräftigte Neumann „die hohe Bereitschaft“ der Stadtverwaltung Künzelsau als Projektträger, konstruktive und kritische Anregungen in den weiteren Prozess eingehen zu lassen. Es würden berechtigte Fragen gestellt, zum Beispiel wie die Radwege erhalten werden können, wie es um die Verkehrsanbindung zur Bahn und den Lärmschutz steht, ob weitere Haltestellen eingerichtet werden können oder ob lange Planungszeiten mit enormen Kostensteigerungen zu erwarten seien.

Zuspruch bereits bei Umfrage

Schon bei der Umfrage Ende 2025 hat es „unglaublich viel Zuspruch“ gegeben, freute sich Stefan Neumann. Mehr als 2.700 Personen, die meisten zwischen 25 und 44 Jahre alt, sind befragt worden. Rund 77 Prozent sagen, dass sie sich auf die Bahn freuen. Mit 75 Prozent meinen fast genauso viele, dass die Region profitieren würde. Sorgen macht sich dagegen etwa ein Drittel der Befragten wegen der Finanzierung und der Kosten. Diese liegen bei geschätzten 200 Millionen Euro mit möglichen Schwankungen von 30 Prozent nach oben oder unten. Das ist auch für den Bürgermeister „unheimlich viel“.

Land und Bund fördern Trasse und Betrieb

Moritz Link vom baden-württembergischen Verkehrsministerium bestätigte jedoch, dass die Voraussetzungen zur Realisierung des Projekts noch nie so günstig gewesen seien angesichts einer „attraktiven Investitionsförderung“. Der Bund würde bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten und eine Planungskostenpauschale übernehmen. Das Land würde nicht nur die hälftige Kofinanzierung der übrigen Kosten tragen, sondern auch die Planungskosten in den nächsten beiden Phasen zu 50 Prozent vorfinanzieren. Hinzu kommt die Aussicht auf eine Übernahme der Betriebskosten mit voraussichtlich bis zu 75 Prozent.

Viele Menschen schauen auf eine Tafel mit einem Plakat und Information zum weiteres Vorgehen.
Vertreter des baden-württembergischen Verkehrsministeriums und der baden-württembergischen Nahverkehrsgesellschaft gaben ebenfalls Auskunft bei der Auftaktveranstaltung in Kupferzell. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich die bisher angenommene Wirtschaftlichkeit bestätigt. Neumann erläuterte, dass mit Blick auf die Nutzung bisher konservative Annahmen getroffen worden seien. Danach wird von 3.200 Personen pro Tag ausgegangen, die sich auf eine Million im Laufe des Jahres summieren. Nach Einschätzung von Projektleiterin Ulrike Hadlich vom Büro Obermeyer, das gemeinsam mit Schüßler-Plan und Transport Technologie-Consult Karlsruhe (TTK) als Bietergemeinschaft mit den weiteren Planungen beauftragt worden ist, entwickeln sich reaktivierte Strecken positiver als ursprünglich angenommen. Als Beispiele nannte sie die Schönbuchbahn, vorhergesagt waren 2.500 pro Tag, jetzt sind es fast 8.000 Fahrgäste, bis zu 14.000 könnten es werden.

Stunden- und Halbstunden-Takt

Yannick Beutel von der baden-württembergischen Nahverkehrsgesellschaft erklärte, dass nach den bisherigen Plänen in jede Richtung stündlich ein Zug fahren soll und zu den Hauptverkehrszeiten jede halbe Stunde. Dass für den Betrieb die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall Voraussetzung ist, sieht er nicht als Hindernis. Link bestätigte, dass die Schließung dieser Lücke vorgesehen sei, das Verkehrsministerium dabei jedoch von den Planungen der Deutschen Bahn abhängig sei.

Haltepunkte und Bahnsteige

Die Vorplanung baut nach Angaben von Verkehrsplaner Rainer Flotho von TTK auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie auf. Danach ist ein Abzweig vom Bahnhof Waldenburg vorgesehen. Dort müssten ein zusätzliches Bahngleis, neue Bahnsteige und Personenunterführungen entstehen. Die Unterquerung der Autobahn bezeichnete er als unproblematisch. Ein Haltepunkt ist im Gewerbegebiet vorgesehen. Da in Kupferzell die frühere Trasse durch den Ort genutzt werden soll, entstehen hier Bahnübergänge. Wie in Kupferzell führt auch in Gaisbach die Trasse durch den Ort. Auch hier sind zwei Haltestellen vorgesehen. Danach geht es nach bisherigen Planungen über einen Tunnel hinunter nach Künzelsau, der aufgrund der Steigung von 8,5 Prozent insgesamt 1,2 Kilometer lang sein muss, damit die hundert Höhenmeter nach unten problemlos bewältigt werden können.

In einer großen Sporthalle sind viele Personen sitzend auf Stühlen und blicken auf eine Leinwand. Davor eine Expertenrunde mit Frage und Antwort.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten sich bei einer Interviewrunde erkundigen und anschließend an den Ständen austauschen. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau.

Bei der Wahl des S-Bahn-Zuges ist deshalb die Variante mit der allerhöchsten Motorisierung nötig. Vorgesehen ist ein VDV Tram Train mit einer Länge von 37,2 Metern. Dieser verfügt über 93 Sitzplätze und 136 Stehplätze. Falls ein Tunnel aus Gründen der Geologie nicht möglich ist, ist eine alternative Trassenführung über das Wohngebiet Haselhöhe in Gaisbach vorgesehen. Für die Strecke von Künzelsau nach Waldenburg ist eine Fahrzeit von 18 Minuten angegeben.

Ein großes Thema bei den Thementischen, an denen nach der Information konkrete Fragen vertieft werden konnten, war laut Flotho der Radverkehr. Er sieht zwar die Möglichkeit von Waldenburg bis Gaisbach eine Radstrecke parallel zur Bahn zu führen. Der komfortable Fahrradweg von Künzelsau nach Gaisbach auf der früheren Bahntrasse würde jedoch wegfallen, wofür noch eine Alternativlösung erarbeitet werden muss.

Ziel – Trassenvariante Ende 2026

Als Zielmarke für die Erstellung einer Trassenvariante gab Bürgermeister Neumann Ende des Jahres vor. Nachdem die Stadtverwaltung die Projektträgerschaft vom Landkreis übernommen und auch Waldenburg und Kupferzell das Vorhaben ergebnisoffen begleiten, hofft der Rathauschef auf eine schnelle Umsetzung. Im Falle einer Reaktivierung könnte seiner Ansicht nach in den 2030er Jahren die erste Bahn fahren.

Bürgerbeteiligungswerkstätten im März

Als weitere Schritte der Bürgerbeteiligung sind im März drei Beteiligungswerkstätten vorgesehen. Am 20. März um 18 Uhr in Waldenburg, am 21. März um 10 Uhr in Kupferzell und um 14.30 Uhr in Künzelsau. Eine Anmeldung ist über die Projektwebseite kochertalbahn.info möglich.