Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Mit Rückenwind ins neue Jahr

Bundesministerin lobt Gesundheitscampus medikün beim Neujahrsempfang im Rathaus

Bürgermeister Stefan Neumann in Anzug und Krawatte mit kleinem Present in der Hand. Neben ihm steht Nina Warken mit einem Blumenstraß.
Bürgermeister Stefan Neumann mit Gesundheitsministerin Nina Warken. Fotos: Carmen Schniepp, Foto Linke GmbH.

Mit großem Lob von der Bundespolitik ist Künzelsau ins neue Jahr gestartet. Beim Neujahrsempfang der Stadtverwaltung Künzelsau stellte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) den Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Gesellschaft im bis auf den letzten Platz besetzten neuen Rathaus nicht nur ein großes Reformpaket vor, sondern bezeichnete auch den entstehenden Gesundheitscampus auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses als Leuchtturmprojekt. Hier würden die vom Bund angestrebten Strukturen im ländlichen Raum vorweggenommen, sagt sie.

„Gesundheit in Künzelsau versteht sich ganzheitlich im Miteinander der Professionen und im Blick auf den ganzen Menschen“, betonte Bürgermeister Stefan Neumann vor rund 400 Gästen, unter denen er auch die Künzelsauer Ehrenbürgerin und Ehrenbürger begrüßen konnte: Professor Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, der gemeinsam mit Bettina und Markus Würth gekommen war sowie Ursula und Albert Berner.

Blick auf die in Reihen sitzenden Gäste im großen Saal des Rathaueses
Volles Haus und großes Interesse beim Neujahrsempfang 2026. 

Landrat Ian Schölzel nahm genauso teil wie die Bundespolitiker Christian Freiherr von Stetten (CDU) sowie Harald Ebner (Grüne) sowie der Landtagsabgeordnete Anton Baron (AfD). Zwei Landtagskandidaten für die Wahl am 8. März waren mit Tim Breitkreuz (CDU) und Mario Dietel (Grüne) vertreten. Neumann vergaß nicht, dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang von Freiherr Stetten zu gratulieren, der am Tag zuvor mit seiner Zwillingsschwester Helga den 85. Geburtstag feierte. Daneben war der frühere Turner, Bundestagsabgeordnete und heutige Stadtrat Eberhard Gienger dabei.

„Herausragendes Beispiel, wie man Dinge angehen kann“

Bürgermeister Stefan Neumann berichtete, dass der Ausbau des ehemaligen Krankenhauses voranschreitet. Der erste Vertrag des Jahres konnte mit einer radiologischen Praxis geschlossen werden. Außerdem sind unter anderem eine Hausarztpraxis, ein Kindergarten für Beschäftige im Gesundheitswesen sowie eine Kurzzeitpflege (plus) mit 30 Plätzen vorgesehen. Ministerin Nina Warken, die ein Sparpaket und Strukturreformen ankündigte, damit das Gesundheitswesen finanzierbar bleibt, bezeichnete den Gesundheitscampus als „herausragendes Beispiel, wie man Dinge angehen kann“, nämlich „mutig, innovativ, vernetzt und an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert“.

eine Dame spricht an einem Rednerpult in ein Mikro
Bundesministerin Nina Warken.

Für sinnvoll hält Warken eine sektorenübergreifende ambulante Versorgung, wenn alle Berufe eingebunden sind, von Ärzten über Pfleger und Therapeuten bis zu Apothekern. Die letzteren sollen mehr Kompetenzen erhalten, um niedrigschwellige Angebote auszubauen. Sie sollen mehr impfen, mehr beraten und auch mehr verschreibungspflichtige Medikamente ausgeben und dafür auch besser bezahlt werden. Und bei der Krankenhausreform soll stärker lokale Expertise einfließen. Die übergeordneten Ziele sollen bestehen bleiben. „Es macht keinen Sinn, wenn jedes dritte Krankenhaus leer steht“, gab sie zu bedenken. Nicht zuletzt angesichts der kritischen Debatte um die hohen Zuzahlungskosten bei der Pflege sah Neumann seine Einschätzung bestätigt, dass Warkens Amt eines der schwierigsten in der Bundesregierung ist.

Mit Häppchen und Sekt durch die Rathausflure

Was das Jahresmotto der Stadtverwaltung „Gesund in die Zukunft – Künzelsau geht voran“ konkret bedeutet, konnten die Besucherinnen und Besucher in den Büros und auf den Fluren des Verwaltungssitzes erleben, während Häppchen und Getränke von der Catering AG der Georg-Wagner-Schule gereicht wurden. Neben Informationen zum Projektstand des medikün, konnten sich Besucher unter anderem in einem Gesundheitsparcours Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Stresssituationen im Arbeitsalltag holen, alltagstaugliche Übungen und Verhaltensweisen erlernen und ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse in der Nutzung eines Defibrillators auffrischen.

ein Herr zeigt auf einen Plan an der Wand, zwei Damen schauen ihm zu
Projektleiter Ingo Jakschies stellt die geplanten Angebote im ehemaligen Krankenhausareal, dem Gesundheitscampus medikün, vor.

Tagebuch der Künzelsauer Stadtgeschichte

Wenige Meter weiter präsentierte die neue Stadtarchivarin Dr. Helga Steiger zwei archivarische Raritäten im Original, die nur bei seltenen Gelegenheiten der Öffentlichkeit zugänglich sind. Der Chronik von Augustin Faust sieht man ihr Alter an. Sie ist als das Tagebuch der Künzelsauer Stadtgeschichte bekannt. „Ich habe das Buch gehütet, wie meinen Augapfel, damit es niemand anfasst. Das Papier ist zu brüchig“, betonte die Archivarin. Dies ist eines der eindrücklichsten Dokumente im Stadtarchiv. Es ist eine von Hand geschriebene Chronik aus der Zeit um 1700. Eine langwierige „hitzige Krankheit“ schränkte den 19-jährigen Künzelsauer Weißgerber Augustin Faust im Jahr 1678 so ein, dass der an das Haus gebundene Handwerker begann, Abschriften von Urkunden, Vorschriften und Eidformeln anzufertigen. Interessanter ist der zweite Teil, in dem der Schreiber sein Leben in der Stadt und seine Beobachtungen festhält. Er erzählt unter anderem von der schnell wechselnden Mode, von Sprachgewohnheiten, vom Schieferdecker, der sich ganz oben auf der Johanneskirche neue Socken und Schuhe anzog („es war abscheulich zuzusehen“).

im Vordergrund liegt ein aufgeschlagenes dickes altes Buch, dahinter stehen zwei Damen und ein Herr.
Dr. Helga Steiger blickte mit Christine und Robert Volpp in die medizinische Dissertation aus dem Jahr 1700, eine der frühesten erhaltenen Doktorarbeiten, die ein Künzelsauer verfasst hat. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau.

Historische Medizin mit aktueller Botschaft

Stolz ist Steiger auf eine Neuerwerbung, auf die sie beim Stöbern im Internet gestoßen ist. Es ist eine medizinische Dissertation von 1700, eine der frühesten erhaltenen Doktorarbeiten, die ein Künzelsauer verfasst hat. Es war Heinrich Friedrich Baumann, der an der Universität Nürnberg über rötlichen Hautausschlag promovierte. Steiger vermutet, dass er die Symptome von Diabetes beschreibt. Baumann empfiehlt vor allem eines: eine gesunde Ernährung. Diese Empfehlung hat auch heute noch ihre Gültigkeit, wie die Besucherinnen und Besucher der Neujahrsempfangs an den aktuellen Ratschlägen für ein gesundes Leben im Rathaus sehen konnten.

So spannte der Neujahrsempfang den Bogen von den Anfängen medizinischen Denkens in Künzelsau bis zu den heutigen, engagierten Bemühungen um eine moderne und ganzheitliche Gesundheitsvorsorge.

zwei Damen und zwei Herren stehen um einen Stehtisch und blicken auf Informationsmaterial dort
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffneten ihre Büros und die Gäste nutzen die Gelegenheit sich zu informieren und auszutauschen.

Danke für das große Interesse

Die Teams der verschiedenen Ämter präsentierten aktuelle Projekte wie Schul- und Kita-Neubauten und ermöglichten Einblicke in ihre Arbeit. Bürgermeister Stefan Neumann und die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung zeigten sich beeindruckt vom großen Interesse der Besucherinnen und Besucher sowie vom lebhaften Austausch in den Rathausfluren und Büros. „Wir danken allen Gästen und allen Beteiligten herzlich für ihr Engagement und blicken auf einen rundum gelungenen Start ins Jahr 2026 zurück“, so der Bürgermeister.

In einem großen Raum sitzen Personen und schauen einer Frau bei Ihrem Vortrag zu. An der Wand eine Präsentation.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bei ihrer Rede am Neujahrsempfang im großen Saal des Rathauses. 

Link zur Bildergalerie Neujahrsempfang am 23. Januar 2026