Gemeinderat Künzelsau stellt wichtige Weichen
Im Mittelpunkt der Sitzung des Gemeinderats von Künzelsau am Dienstag, 12. Mai 2026 standen Themen der Stadtentwicklung, Infrastrukturprojekte sowie Energie- und Verkehrsfragen. Bürgermeister Stefan Neumann eröffnete die Sitzung mit einem Bericht über den kürzlich erfolgten Außentermin am neu gestalteten Urnengrabfeld des Künzelsauer Friedhofs, die Einweihung der Grundschule Amrichshausen am 8. Mai 2026 sowie einer Einladung zum Spatenstich für das Dorfgemeinschaftshaus und die Feuerwehrgarage in Amrichshausen sowie den Tag der offenen Tür der Krippe Haselallee in Gaisbach.
Mehrheitlich einigte sich der Gemeinderat auf eine Variante der weiteren Entwurfsplanung für die Stadtachse Künzelsau. Grundlage ist der Vorentwurf „Grünes Kreuz Künzelsau“ des Planungsbüros Club L94 Landschaftsarchitekten. Die Stadtachse verbindet zentrale Bereiche wie das neue Landratsamt, die Mobilitätsdrehscheibe (ELSA) und angrenzende Entwicklungsflächen. Zu entscheiden galt es, die grobe Richtung bei der Materialwahl für Außenflächen und Bepflanzungen festzulegen. Letztere wird in der weiteren Planung hinsichtlich heimischer sowie insektenfreundlicher Arten nochmals eingehender überprüft. Die Kostenschätzungen für die Varianten bewegen sich zwischen zirka 3,6 und 3,9 Millionen Euro brutto. Angesichts des langjährigen Realisierungszeitraums betonte Bürgermeister Stefan Neumann, dass spätere Anpassungen weiterhin möglich seien.
Der Gemeinderat hat mehrheitlich den Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens „Nördlicher Ortsrand 2“ in Nitzenhausen beschlossen. Hintergrund ist die geplante Erweiterung des Betriebs Holzbau Karle am nördlichen Ortsrand. Vorgesehen ist eine Entwicklung auf rund 3,4 Hektar Fläche südlich des bestehenden Betriebsareals. Im Rahmen der Beratung wurde die Bedeutung der Maßnahme für die Sicherung des Unternehmensstandorts und die weitere Ortsentwicklung hervorgehoben, eine Entwicklung des Gebiets, etwa auch für weitere Wohnbebauungen, ist auch abschnittsweise realisierbar.
Einstimmig vergab der Gemeinderat den Auftrag für ein neues Abwasserpumpwerk in Berndshausen an die Firma Wilo SE aus Dortmund. Das bestehende, sechsundzwanzig Jahre alte Pumpwerk war zuletzt störanfällig. Die Maßnahme ist Teil der Teilkonzeption Büttelbronn, die eine Zusammenführung mehrerer Pumpwerke vorsieht.
Das Projekt einer Agri PV-Anlage auf landwirtschaftlichen Flächen in Vogelsberg bei Laßbach kombiniert landwirtschaftliche Nutzung mit Solarstromerzeugung. Nach Angaben der Projektträger bleiben mehr als neunzig Prozent der Fläche weiterhin landwirtschaftlich nutzbar. Die Anlage soll zirka 12,1 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, was dem Bedarf von etwa 3.500 Haushalten entspricht, und jährlich 5.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. Ein Batteriespeicher wird zeitgleich errichtet. Mehrheitlich sprach sich der Gemeinderat für die Einleitung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens aus.
Nachfolgend stellte Dipl.-Ing. André Metzger vom Büro Dreikant die Verkehrsuntersuchung und Konzeption für das Kinderhaus am Fluss vor. Ziel ist es, die Verkehrssituation rund um Schulstraße und Aumühle insbesondere zu Bring- und Abholzeiten zu verbessern. Vorgesehen ist unter anderem eine Einbahnregelung vom Klebweg in Richtung Schulstraße/Aumühle. Die Kosten werden auf rund 600.000 Euro geschätzt. Schulleiter Rainer Süßmann von der Georg-Wagner-Schule begrüßte die Planungen. Neben dem Appell an Eltern durch Einrichtungen und Stadtverwaltung zur Einhaltung von Verkehrsregelungen, prüft das städtische Bürgeramt darüber hinaus Vorschläge zur digitalen Verkehrsüberwachung, um kritische Zustände rund um Hol- und Bringzeiten zu minimieren. Bei der Verkehrsuntersuchung wurden auch Zufahrten zu Wohngebäuden, die Nutzung von Buslinien sowie die Parkraumsituation für Lehrer und Mitarbeiter berücksichtigt. Die Verkehrskonzeption Kinderhaus am Fluss mit den vorgestellten Maßnahmen und der Umsetzung bis spätestens Sommer 2027 wurde einstimmig beschlossen.
Auf Wunsch des Gemeinderats hat die Stadtverwaltung Künzelsau das Thema Gruppenkläranlage Hohenlohe-Kochertal erneut in öffentlicher Sitzung beraten. Im Fokus standen die aktuelle Kostenentwicklung, die Wirtschaftlichkeit der Vorzugsvariante sowie Fragen zur Förderfähigkeit des Projekts.
Arturo Perez vom Architektur- und Ingenieurbüro Sweco erläuterte die Änderungen der Rahmenbedingungen. Während in der Phase der Projektvorbereitung von einer Anlage mit rund 43.000 Einwohnerwerten ausgegangen worden war, umfasst die heutige Planung rund 70.000 Einwohnerwerte. Neben der Bildung des Abwasserzweckverbands sowie die Aufnahme des Gewerbeparks Hohenlohe und Waldenburg und der dadurch höheren Einwohnerwerte, flossen der Baupreisindex wie auch die Inflation in die Kostenfortschreibung von 2024 ein. Diese stiegen demnach von 60 auf 124 Millionen Euro. Im Übergang von der Vor- zur konkreten Entwurfsplanung von 2026 ergaben sich weitere Kostensteigerungen.
Hierzu wurden mehrere Gründe genannt. Zum einen die Entscheidung für ein modernes Membranverfahren mit vierter Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination. Diese Art Pumpwerk hat bisher eine geringe Verbreitung in Deutschland und daher wenige Referenzen. Klar ist, so Ulrich Walter, Erster Beigeordneter „… dass moderne und energieeffiziente Technik zwar höhere Anfangsinvestitionen verursache, langfristig jedoch zu geringeren Betriebs- und Energiekosten führe. Die neue Anlage werde für einen Betrieb über mindestens 50 bis 60 Jahre ausgelegt und müsse zukünftigen Anforderungen an Gewässer- und Umweltschutz gerecht werden.“ Weitere Gründe für die höheren Kosten sind gestiegene Baukosten, die nicht zuletzt globalpolitische Ursachen hat, sowie gestiegene Nebenkostenansätze der beteiligten Ingenieurbüros. Letzteres sei darauf zurückzuführen, dass mit fortschreitender Planung und Klarheit über Details, auch die Kosteneinschätzungen detaillierter werde.
Bürgermeister Stefan Neumann machte deutlich, dass die Kostensteigerungen ernst genommen werden und Transparenz gegenüber Gemeinderat und Einwohnerschaft wichtig ist. Mehrere Stadträtinnen und Stadträte äußerten Sorgen hinsichtlich der Investitionshöhe, möglicher Auswirkungen auf die Abwassergebühren sowie der bisherigen Kommunikation des Projekts. In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Informationsveranstaltungen mit allen beteiligten Partnern und Kommunen, sowie ausführliche Beratungen in vergangenen Gemeinderatssitzungen gegeben. Darüber hinaus würden sämtliche Planungen fortlaufend durch das Landratsam sowie das Regierungspräsidium Stuttgart begleitet und geprüft.
Bürgermeister Stefan Neumann sagte zu, den Gemeinderat regelmäßig über Fördermittel, Kostenentwicklungen und den weiteren Projektverlauf zu informieren. Nach aktuellem Stand aller Gutachten, Planungen und behördlichen Bewertungen bleibt die gewählte Vorzugsvariante die wirtschaftlich sinnvollste und zukunftsfähigste Lösung für die beteiligten Kommunen. Wie Stefan Neumann abschließend klarstellte, stehe die Investitionssumme auch in direktem Zusammenhang mit der Fördersumme. Die Förderung kann jährlich neu beantragt werden und basiere auf den aktuellsten Zahlen. Das heißt, mit den gestiegenen Investitionskosten steigt prozentual auch die Fördersumme.
Die nächste Sitzung des Gemeinderates findet am Dienstag, 16. Juni 2026, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Künzelsau statt. Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich willkommen. Die Tagesordnung ist, wie alle öffentlichen Sitzungstermine, Beratungsvorlagen, formalen Beschlüsse, Niederschriften und die Präsentationen, auf der städtischen Homepage zu finden: www.kuenzelsau.de/buergerinfoportal.

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