Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Wildstaudenbeete im Herbst und Winter bieten Tieren Nahrung, Quartier und Nistplätze

In Künzelsau wurden mehr als ein halbes Hektar Grünflächen in wertvolle Biotope umgewandelt / Kinderstuben für Wildbienen und Schmetterlinge
 

Braune Wildstaudenfläche an den Wertwiesen.
Die die über den Winter stehen gelassenen Halme, Stängel und Samenstände der trockenen und braunen Pflanzen auf den Staudenflächen in den Wertwiesen in Künzelsau haben eine wichtige Aufgabe. Sie dienen Insekten zur Überwinterung und als Kinderstube. Foto Stadtverwaltung Künzelsau

Auch wenn sie im Herbst und Winter etwas wilder oder karg aussehen: Die Wildstaudenflächen und Wildblumenwiesen, die in Künzelsau in den Wertwiesen und auch an anderen Stellen der Stadt angelegt wurden, leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und gegen das Insektensterben.

Künzelsau hat bisher mehr als ein halbes Hektar (rund 5.300 Quadratmeter) Grünflächen in wertvolle Biotope mit Wildpflanzen umgewandelt: Rund 2.200 Quadratmeter hat das Gärtner-Team des städtischen Bauhofes in der Innenstadt, in den Wertwiesen und im Frankenweg angelegt. Die prominente Fläche in den Wertwiesen vor dem Schloß Bartenau ist im Rahmen des Kooperationsprojekts „Natur nah dran“ des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) entstanden. Weitere 3.100 Quadratmeter Blühwiesen und –streifen in der Innenstadt und in den Stadtteilen sind in Eigenregie des Bauhofes dazu gekommen. „Geplant sind weitere zirka 1.400 Quadratmeter“, gibt Jochen Lutz, der stellvertretende Leiter des städtischen Bauhofes Künzelsau einen Ausblick. „In den kommenden Jahren wollen wir unter anderem auch drei Innenbereiche von Kreisverkehren und Flächen am Kocherradweg umgestalten.“

Martin Klatt, „Natur nah dran“-Projektleiter beim NABU Baden-Württemberg erklärt, dass die über den Winter stehen gelassenen Halme, Stängel und Samenstände der trockenen und braunen Pflanzen auf den Staudenflächen eine wichtige Aufgabe haben. „Vögel wie Distelfinken sind in der kalten Jahreszeit auf die Samen von Flockenblumen, Disteln oder Karden angewiesen. Und in den verholzenden Stängeln von Pflanzen wie Königskerzen haben beispielsweise Mauerbienen oder Blattschneiderbienen ihre Kindestuben angelegt. Die müssen natürlich stehen bleiben, damit im Frühjahr eine neue Generation Wildbienen schlüpfen kann.“

Im Laufe der nächsten Vegetationsperiode werden die Staudenflächen dann wieder gemäht. Im Gegensatz zu den Wildblumenwiesen, die schon im Herbst kurz geschoren werden. Die hier wachsenden Wiesenpflanzengemeinschaften sind auf den in der Regel zweimal jährlichen Schnitt angewiesen. Denn am Boden warten schon die kleinen Blattrosetten der Jungpflanzen darauf, im Frühjahr wachsen zu können. Und dazu brauchen sie Platz und Licht. Das Abräumen des Schnittgutes sorgt dafür, dass keine welke Blattmasse die zarten Jungpflanzen niederdrückt und vermeidet die unerwünschte Anreicherung mit Nährstoffen. Tiere wie Grabwespen oder manche Schmetterlingsarten überwintern im Wiesenboden.